Education of Health Professionals (MA)
Berufsbegleitender Studiengang - Neuer Starttermin März 2012
Einleitung
Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel/Stiftungen Sarepta |
Nazareth bieten ab Oktober 2009 in Kooperation mit der Fachhochschule Münster
einen berufsbegleitenden Studiengang „Berufspädagogik im Gesundheitswesen –
Berufliche Fachrichtung Pflege“ an.
Das Studienprogramm ist in seinen
Inhalten identisch mit dem Bachelor-Präsenzstudiengang „Berufspädagogik im
Gesundheitswesen/Berufliche Fachrichtung Pflege“ sowie dem Master-Studiengang
„Education of Health Professionals/Nursing“ an der Fachhochschule Münster. Beide
schließen mit dem akademischen Grad Bachelor of Arts bzw. Master of Arts
ab.
Das berufsbegleitende Angebot richtet sich vorwiegend an Lehrerinnen und
Lehrer für Pflegeberufe, die bereits eine einschlägige Weiterbildung absolviert
haben; es vermittelt die Inhalte durch eine hohe Anzahl an Selbstlernphasen, die
eine parallele Berufstätigkeit ermöglichen.
Die Zulassung zu diesem
Studienangebot setzt eine Hochschulzugangs-berechtigung und eine dreijährige
Ausbildung in einem Pflegeberuf voraus.
Die Hochschulzugangsberechtigung
kann bei Vorliegen der entsprechenden Zulassungsvoraussetzungen auch durch eine
Hochschulzugangsprüfung erbracht werden.
Die beiden Kooperationspartner verbinden mit dem Studiengang folgende Ziele:
- Vermittlung einer zukunftsfähigen Qualifikation für die Lehre im Bereich Pfle ge und die Fort- und Weiterbildung
- Erfüllung neuer rechtlicher Anforderungen zum Erhalt der beruflichen
Aner-
kennung von weitergebildeten Lehrerinnen und Lehrern (Beschäftigungsfähigkeit) - Einen Studiengang, der in seinen Inhalten, Anforderungen und seinem Abschluss dem erfolgreichen grundständigen Studiengang „Berufspädagogik im Gesundheitswesen“ der FH Münster entspricht
- Ein Studienangebot, das auf die Bedürfnisse und Kompetenzen von
aktiven
Lehrerinnen und Lehrern in der Pflegeausbildung zugeschnitten ist - Ein Studienangebot, das durch seine Nähe zum Fernstudium von Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet genutzt werden kann.
Im Folgenden werden die Hintergründe für die Entwicklung dieses Angebotes und einige Eckpunkte des Konzeptes aufgezeigt.
Ausgangslage
Bis Mitte der 1990er Jahre wurden Lehrerinnen und Lehrer für Pflegeberufe entsprechend dem Krankenpflegegesetz von 1985 traditionell über eine Weiterbildung zur Übernahme pädagogischer Aufgaben in der Aus-, Fort- und Weiterbildung qualifiziert. In der Regel qualifizierten die Weiterbildungen für das zentrale Handlungsfeld von Lehrerinnen und Lehrern - theoretischer und praktischer Unterricht (Knigge-Demal, 1988), wobei die unterschiedlichen Lehrgänge keine vergleichbaren Curricula umsetzten (Oelke, 1994) und die Inhalte sehr stark durch ein pragmatisches Paradigma geprägt waren. Die Schwerpunkte der Weiterbildungen zur/zum Lehrerin/Lehrer für Pflegeberufe lagen zum großen Teil in der Reflexion der Professionalisierung des Pflegeberufs sowie im Erwerb von Handwerkszeug, um Lehrstoff vermitteln zu können.
Diese Ausrichtung entspricht jedoch nicht mehr den aktuellen Anforderungen an Lehrende im Bereich Pflege. Mit der Einrichtung von Studiengängen an Fachhochschulen und Universitäten wurden wichtige Schritte unternommen, die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer im Gesundheitswesen, insbesondere im Bereich der Pflege, deutlich zu verändern.
Als zentrale Zielsetzungen lassen sich dazu Paradigmenwechsel auf mehreren Ebenen herausstellen:
- vom Pragmatismus hin zur Wissenschaftlichkeit
- von der Orientierung am Erfahrungswissen hin zur Orientierung an wissenschaftlichen Ergebnissen und Befunden
- von der lehrerorientierten Wissensvermittlung hin zu Wissensmanagement und damit zu schülerorientiertem Lehren und Lernen.
Diese neue Orientierung wird auch mit der Novelle zum Krankenpflegegesetz vom 16. Juli 2003 eingefordert. Danach muss nach § 4, Absatz 3 die hauptamtliche Leitung einer Krankenpflegeschule sowie eine im Verhältnis zu den Schülern angemessene Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern über eine abgeschlossene Hochschulbildung verfügen. Bis zur Umsetzung nennt das Gesetz in § 24 eine Übergangszeit von fünf Jahren und beschreibt eine so genannte „Besitzstandswahrung“ bisheriger Lehrerinnen und Lehrer, die über eine Weiterbildungsqualifizierung verfügen. Die Folgen der zugesicherten „Besitzstands-wahrung“ werden unterschiedlich interpretiert (Knigge-Demal, Lau & Sandbote, 2003); es zeichnet sich allerdings ab, dass weitergebildete Lehrerinnen und Lehrer dauerhaft nur dann ihre horizontalen und vertikalen Mobilitätschancen aufrecht erhalten können, wenn sie einen einschlägigen berufspädagogischen Hochschulabschluss nachholen.
Beruf und Studium miteinander zu verbinden, stellt die Adressaten vor neue Forderungen, die sich vor dem Hintergrund der Veränderungen an den Pflegeschulen – z.B. die Umsetzung der Krankenpflegegesetznovelle 2003, die Entwicklung eines schulinternen Curriculums für eine integrative Ausbildung für Kranken- und Kinderkrankenpflege sowie die Bildung von Schulverbünden - als besondere Herausforderungen erweisen.
Daneben ist von den zukünftigen Studierenden eine Vernetzung zwischen Studium, Beruf und sozialen Verpflichtungen zu leisten. Die damit verbundenen Probleme werden von den zukünftigen Adressaten des Studienganges bereits im Vorfeld antizipiert. Bei einer Befragung von 74 Teilnehmerinnen und Teilnehmern anlässlich einer Informationsveranstaltung zum berufsbegleitenden Studienangebot gaben 81,3 % an, dass sie Probleme bei der Koordination von Familie, Studium, Beruf und Freizeit erwarten. Außerdem vermuten 60 % der Interessenten, dass sie aufgrund der zu leistenden Studiengebühren finanzielle Probleme haben werden.
Lehrerinnen und Lehrer in Pflegeberufen ohne Hochschulstudium stehen also zunehmend vor der Herausforderung, in ihrer Professionalität inhaltlich und formal dem Paradigmenwechsel in der Pflege Rechnung zu tragen. Angebote für umfassende persönliche und wissenschaftliche Qualifikationen zur Bewältigung dieser Herausforderung müssen die Belastungen dieser Berufsgruppe berücksichtigen.
Dass es zurzeit wenig Möglichkeiten für Lehrerinnen und Lehrer in Pflegeberufen zum Erwerb einer geeigneten Hochschulqualifikation gibt, zeigen die direkte Aufforderung und die Erwartungshaltung von Vertretern kooperierender Pflegeschulen, auf die veränderte Ausbildungssituation und den entsprechenden Qualifizierungsbedarf der Lehrkräfte zu reagieren. Dies geschieht in dem nun vorgestellten Studiengang.
Der berufsbegleitende Studiengang „Berufspädagogik im Gesundheitswesen - Berufliche Fachrichtung Pflege“
Der berufsbegleitende Studiengang wird in Kooperation zwischen den von Bodel-schwinghschen Stiftungen Bethel und der Fachhochschule Münster durchgeführt.
Die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel stehen in einer langen Tradition pflegerischer Aus- Fort- und Weiterbildungen. Sie zeichnen als Träger für die Durchführung der Bildungsmaßnahme verantwortlich, schließen Verträge mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Studienangebots ab und unterhalten eine Geschäftsstelle für die Koordination des Studienganges und die Beratung der Studierenden.
Der Fachbereich Pflege und Gesundheit der Fachhochschule Münster führt seit Mitte der 90er Jahre erfolgreich einen Präsenzstudiengang für Absolventen von Gesundheitsfachberufen zur Befähigung für eine Lehrtätigkeit in den Berufsfachschulen des Gesundheitswesens oder in der Fort- und Weiterbildung von Gesundheitsberufen durch. Für den berufsbegleitenden Studiengang stellt sie nach dessen Akkreditierung die erforderliche Studien- und Prüfungsordnung bereit. Zudem obliegt ihr die Qualitäts sicherung für den Studiengang: die Hochschule überprüft die Einhaltung der Studien- und Prüfungsordnung, um nach erfolgreich abgelegten Prüfungsleistungen den entsprechenden Studienabschluss erteilen zu können.
Die Zulassung zu diesem Studienangebot setzt eine
Hochschulzugangs-berechtigung und eine dreijährige Ausbildung in einem
Pflegeberuf voraus. Die Hochschulzugangsberechtigung kann bei Vorliegen der
entsprechenden Zulassungsvoraussetzungen auch durch eine Hochschulzugangsprüfung
erbracht werden.
Für das Studium fallen Studiengebühren von insgesamt ca.
12.500,00 € an.
Studienverlauf und Lernorganisation
Das Studienangebot
ist berufsbegleitend angelegt und modular aufgebaut. Die Dauer des Studiums
beträgt insgesamt sechs bzw. zehn Semester (Bachelor und Master), es entspricht
weitgehend der Prüfungsordnung (LPO) für das Lehramt an Berufskollegs.
Es
umfasst im Bachelor-Studiengang:
- Informationsgewinnung und Wissensverarbeitung (12,5 CP)
- Grundlagen der Berufswissenschaften Pflege und Gesundheit (35 CP)
- Grundlagen der Sozialwissenschaften und der Bezugsdisziplinen (22,5 CP)
- Bildungswissenschaften - Theorie und Praxis (45 CP)
- Praxisphasen (25 CP)
- Projekte und Wahlvertiefung (25 CP)
- BA-Arbeit und BA-Kolloquium (15 CP)
und im Master-Studiengang: - Berufsfach: Pflege- und Gesundheitswissenschaften (15 CP)
- Unterrichtsfach: Sozialwissenschaften (35 CP)
- Bildungswissenschaften (25 CP)
- Praxisphase (15 CP)
- MA-Arbeit und MA-Kolloquium (30 CP)
Gemäß Beschluss der Innenministerkonferenz vom 07.12.2007 ist der „Zugang zu den Laufbahnen des höheren Dienstes durch Master-Abschluss an Fachhochschulen möglich“ (Akkreditierungsunterlagen des Bachelor-/ Masterstudiengangs der Fachhochschule Münster).
Das modularisierte Studienangebot gliedert sich in Selbstlernphasen und Präsenzphasen. Studierende müssen einen wöchentlichen zeitlichen Aufwand von ca. 25 Stunden verteilt über das ganze Jahr einkalkulieren. Die Praktika können bei entsprechenden Vorleistungen auf Antrag anerkannt werden.
Ungefähr 60 % der Semesterwochenstunden (Kontaktzeit im Präsenzstudiengang)
finden im Selbststudium statt. Für diese Selbstlernphasen erhalten die
Teilnehmenden spezifische Arbeitsaufträge, die anhand von Lehr- und
Lernmaterialien zu erarbeiten sind. In den Selbstlernphasen sind alle Lehr- und
Lerninhalte angesiedelt, die traditionellerweise über Vorlesungen und Seminare
vermittelt werden. Den Ergebnissen neuerer Kognitions- und Lernforschung und den
dokumentierten Erfahrungen in Fernstudiengängen folgend sollen die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Lage versetzt werden, Probleme konstruktiv
zu bearbeiten und die lernende Verantwortung selbst zu übernehmen (Holzkamp,
1993; Arnold & Milbach, 1999); zum Beispiel im Rahmen von Lehrmethoden wie
dem problemorientierten Lernen und mit Hilfe von speziellen Lernmaterialien wie
Lehrtexten und Studienbriefen. In den Selbstlernphasen bieten die Dozentinnen
und Dozenten Hilfestellungen an. Außerdem werden regionale Lerngruppen gebildet
und im Internet eine gemeinsame Kommunikationsplattform eingerichtet.
Die
Kommunikationsplattform bietet eine systematische Übersicht über die Lehr- und
Lerninhalte sämtlicher Module und Kommunikationsmöglichkeiten zwischen
Studierenden untereinander und mit Dozentinnen und Dozenten außerhalb der
Präsenzphasen. Sie ist auch eine besondere Hilfestellung für die Studierenden,
die an einzelnen Präsenzphasen nicht teilnehmen (können).
Die Präsenzveranstaltungen sind darauf ausgerichtet, Seminare, Workshops,
Präsentationen und Übungen durchzuführen. Dabei stehen teilnehmerorientierte
Lehr- und Lernformen im Vordergrund, mit denen die Fähigkeit zur Reflexion und
zum Transfer wissenschaftlichen Arbeitens gefördert wird. Sie finden pro
Semester an sechs Wochenenden von Freitag bis Sonntag statt.
Die Dozentinnen
und Dozenten im Studiengang sind zum größten Teil Lehrende von Fachhochschulen
mit der Fachrichtung Gesundheit und Pflege. Sie ermöglichen innovatives selbst
gesteuertes Lernen, sowohl in den Selbstlern-phasen als auch in den
Präsenzphasen. Empirisch erhobene Daten von Arnold und Milbach (2001) zeigen
auf, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Fernstudiums sich durch selbst
gesteuerte Lernprozesse besonders motiviert fühlen, aus eigenem Antrieb zu
lernen und den Lernerfolg sowie die Nachhaltigkeit des Lernens als größer
bezeichnen im Vergleich zu Dozenten orientierten Lehr- und Lernpraktiken.
Zusammenfassung
Es gibt vielfältige Gründe für Lehrerinnen und Lehrer in Pflegeberufen,
berufsbegleitend eine Hochschulqualifikation zu erwerben. Mit dem hier
vorgestellten Studiengang versuchen die von Bodelschwinghschen Stiftungen
Bethel in Kooperation mit dem Fachbereich Pflege und Gesundheit der
Fachhochschule Münster dem entstandenen Bedarf gerecht zu werden. Mit diesem
Konzept ist die Hoffnung verbunden, dass die Anforderungen, denen sich die
mehrfach belasteten Lehrerinnen und Lehrern im Studium stellen, gemeistert
werden können, und die Absolventen dadurch gestärkt in ihre berufliche Zukunft
blicken können.
Literatur
Arnold, R. & Milbach, B. (1999). Didaktik des Erwachsenenlernens
im Fernstudium – ein Forschungsbericht.Kaiserslautern: Universität
Kaiserslautern.
Arnold, R. & Milbach, B. (2001). Innovatives
selbstgesteuertes Lernen – Evaluierung von Präsenzphasen des Fernstudiums
Erwachsenenbildung. Kaiserslautern: Universität Kaiserslautern.
Holzkamp,
K. (1995). Lernen – Subjektwissenschaftliche Grundlegung. Frankfurt:
Campus.
Knigge-Demal, B. (1988). Subjektive Evaluation eines
Weiterbildungslehrganges durch die Teilnehmer und die eingeschätzte Umsetzung
der Lernziele in der eigenen Lehrtätigkeit. Unveröffentlichte Diplomarbeit.
Technische Hochschule Darmstadt.
Knigge-Demal, B., Lau, D. &
Sandbote, K. (2003). Workshop-Reader: Podiumsdiskussion Finanzierung der
Kranken- und Kinderkrankenpflegeschulen – Zukunft und Perspektiven. Bielefeld:
Fachhochschule Bielefeld.
Oelke, U. (1994). Berufliche Belastungen
von Lehrerinnen und Lehrern im Pflegebereich - Newsletter. Baunatal:
o.a.
Robert Bosch Stiftung (1992). Pflege braucht Eliten. Beiträge
zur Gesundheitsökonomie 28. Gerlingen: Bleicher.





